chancenreich e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, die Chancengerechtigkeit innerhalb der Gesellschaft durch Maßnahmen und Projekte im Bereich Bildung, Förderung und sozialer Integration zu verbessern. Die Vielfalt, die Besonderheit und das Potenzial junger Menschen zu erkennen und ihre gesellschaftliche Teilhabe entlang der gesamten Bildungskette zu fördern, liegt dem Verein besonders am Herzen. chancenreich e.V. will dazu beitragen, dass sich jeder Mensch auf seinem Bildungsweg entsprechend seinen Fähigkeiten entwickeln kann und nicht durch soziale Hindernisse eingeschränkt wird, die sich ihm bietenden Chancen zu verwirklichen.

Interview

Zu Besuch bei chancenreich e.V.

chan­cen­reich e.V. wur­de im Mai 2019 von zwei enga­gier­ten Frau­en in Frank­furt gegrün­det, die seit vie­len Jah­ren im Bereich Bil­dung und Inte­gra­ti­on tätig sind. Mit dem Frank­fur­ter Bücher­kof­fer star­tet der Ver­ein sein ers­tes Pro­jekt an Frank­fur­ter Grund­schu­len. Schüler*innen und Eltern wer­den damit mehr­spra­chi­ge und inter­kul­tu­rell aus­ge­rich­te­te Bücher zur Ver­fü­gung gestellt, die das gemein­sa­me Lesen in der Klas­se und zu Hau­se för­dern sollen.
Wie es zur Grün­dung des Ver­eins kam und wel­che Beweg­grün­de dahin­ter­ste­cken, ver­ra­ten die Grün­de­rin­nen Clau­dia Land­mann (CL) und Susan­ne Rosen­feld (SR) in einem gemein­sa­men Interview.

Bildung und Integration sind in der Öffentlichkeit zwei zentrale Themen. Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?

SR: Bil­dung ist heu­te mehr denn je die ent­schei­den­de Vor­aus­set­zung, um Kin­dern die Mög­lich­keit zu eröff­nen, ein selbst­be­stimm­tes, eigen­stän­di­ges und erfüll­tes Leben zu füh­ren. Dabei kommt dem Lesen, aber auch dem Zuhö­ren eine ganz beson­de­re Bedeu­tung zu. In den Grund­schu­len müs­sen die Grund­la­gen dafür rich­tig ver­mit­telt wer­den und bei Kin­dern die Freu­de und Neu­gier am Ler­nen geweckt wer­den. Das funk­tio­niert aber nur, wenn das Ler­nen auch von der Fami­lie unter­stützt wird. Ganz beson­ders gilt dies für Fami­li­en mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund. Uns ist die Stär­kung der Fami­lie und des gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halts wich­tig. Wir möch­ten, dass Fami­li­en sich für den Bil­dungs­er­folg ihrer Kin­der enga­gie­ren und ent­spre­chend ihren Mög­lich­kei­ten dar­an teilhaben.

Sie sind schon seit langem ehrenamtlich in und außerhalb der Schule tätig: Aufbau von Betreuungsangeboten an Grundschulen, Sprachkurse für junge Menschen mit Migrationshintergrund, Bewerbungstrainings für Jugendliche. Welche Rolle spielt für Sie zukünftig Ihr neu gegründeter Verein?

SR: Mit der Grün­dung von chan­cen­reich e.V. schaf­fen wir eine Platt­form, auch eige­ne Ideen zu ent­wi­ckeln und umzu­set­zen, Wir gehen damit nun einen Schritt wei­ter. Der Frank­fur­ter Bücher­kof­fer ist dabei unser ers­tes Pro­jekt. In Zukunft pla­nen wir wei­te­re Pro­jek­te, nicht nur im Grund­schul­be­reich, son­dern auch für Jugend­li­che. Unse­ren Ver­ein haben wir chan­cen­reich e.V. genannt, weil uns das The­ma Chan­cen­ge­rech­tig­keit ein beson­de­res Anlie­gen ist.

CL: chan­cen­reich ver­bin­det auch vie­le unse­rer bis­he­ri­gen Pro­jek­te. Wir möch­ten zukünf­tig ent­lang der gesam­ten Bil­dungs­ket­te jun­ger Men­schen arbei­ten- von den ers­ten Schrit­ten ins Bil­dungsys­tem Schu­le bis zum erfolg­rei­chen Über­gang ins Arbeits­le­ben. Dabei wol­len wir mit chan­cen­reich nicht nur eige­ne Pro­jekt­ideen ver­fol­gen, son­dern auch bereits bestehen­de Pro­jek­te im Bereich Bil­dung und Inte­gra­ti­on jun­ger Men­schen auf­grei­fen, mit geeig­ne­ten Part­nern ver­net­zen, wei­ter­ent­wi­ckeln und bei der Ska­lie­rung hel­fen. So wie den „Frank­fur­ter Bücher­kof­fer“, der vor zwei Jah­ren als „Ham­bur­ger Bücher­kof­fer“ gestar­tet ist und sich dort so erfolg­reich ent­wi­ckelt hat, dass er gera­de den Deut­schen Inte­gra­ti­ons­preis der Her­tie-Stif­tung gewon­nen hat. Ab dem kom­men­den Schul­jahr rollt er nun als „Frank­fur­ter Bücher­kof­fer“ an drei Schu­len bei uns.

Wie stellt sich für Sie die Arbeit mit den Schulen, Eltern und Kindern dar? Welche Erfahrungen machen Sie bei der Begleitung von Projekten wie dem Frankfurter Bücherkoffer?

CL: Aus der Erfah­rung mit den eige­nen Kin­dern wis­sen wir, wie wich­tig ein funk­tio­nie­ren­des Drei­eck „Schu­le-Kin­der-Eltern“ für den Bil­dungs­er­folg ist. Mit unse­ren Pro­jek­ten wol­len wir allen Sei­ten die­ses Drei­ecks Unter­stüt­zung geben: Lehr­kräf­ten, die ins­be­son­de­re an sog. Brenn­punkt­schu­len häu­fig mehr Sozi­al­ar­bei­ter als Lehrer*in sind – Kin­dern, deren Fähig­kei­ten ent­wi­ckelt und geför­dert wer­den – und Eltern, die ler­nen, dass sie eine akti­ve Rol­le für den Bil­dungs­er­folg ihrer Kin­der über­neh­men müssen.

SR: Wir sehen, dass gera­de an Brenn­punkt­schu­len unser Ange­bot sehr dank­bar ange­nom­men wird. Dabei erle­ben wir auch, dass es an vie­len Schu­len am Nötigs­ten fehlt. Das möch­ten wir nicht als Kri­tik ver­stan­den wis­sen. Wir sehen aber auch, dass Lehrer*innen, Schüler*innen und Eltern oft­mals über­las­tet sind. Hier wol­len wir mit dem Frank­fur­ter Bücher­kof­fer einen posi­ti­ven Impuls geben.

Vereine wie chancenreich und gemeinnützige Initiativen leisten einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag. Diese Arbeit kostet Geld. Wer unterstützt Sie und wie können sich andere bei Ihnen engagieren und miteinbringen?

CL: chan­cen­reich e.V. ist ein gemein­nüt­zi­ger Ver­ein. Wir sind als Vor­stand ehren­amt­lich tätig, benö­ti­gen jedoch Spen­den und För­der­mit­tel für die Umset­zung der Pro­jek­te. Wir sind sehr froh, dass wir bereits zum Start des ers­ten Pro­jekts Zusa­gen von ver­schie­de­nen pri­va­ten Spen­dern haben. Dar­über hin­aus konn­ten wir als ers­ten gro­ßen Pro­jekt­part­ner und För­de­rer den Bör­sen­ver­ein des Deut­schen Buch­han­dels für den Frank­fur­ter Bücher­kof­fer gewin­nen. Auf die­se Zusam­men­ar­beit sind wir beson­ders stolz. Wir hof­fen, dass wir unse­re zukünf­ti­ge Ent­wick­lung gemein­sam mit wei­te­ren För­de­rern und Koope­ra­ti­ons­part­nern gestal­ten können.